Die Geschichte des Schlossberg Bräu


Gründung des Unternehmens 1851 / 52

Die drei Unternehmensgründer Heinrich Gottfried Reinhold, Carl Heinrich Friedrich Jüssow und Carl Friedrich Richard Meyer beschließen im Sommer 1851 „die Anlage einer baierischen Bierbrauerei“ in Bremervörde.

 

Es gibt zu dieser Zeit bereits etliche kleinere Brauereien im Ort, die jedoch nur ihre eigenen Gastwirtschaften beliefern und keine überregionale Bedeutung haben. Dieses Ziel wollen die drei Bremervörder erreichen und gründen zu diesem Zwecke 1852 das geschäftsfähige Konsortium „Reinhold, Jüssow & Meyer“.

 

Mit Unterstützung des Magistrats beantragen sie den Erwerb des großen Grundstücks an der Ecke Großer Platz / Amtsallee bis hinunter zur Wiese am Burggraben sowie eines kleineren Grundstücks für das so genannte „Eishaus“ auf der anderen Seite der Amtsallee. Das gesamte Areal auf der östlichen Seite des Großen Platzes befindet sich im Eigentum des Königreichs Hannover. Die zuständige Königliche Domänenkammer in Hannover stimmt dem Verkauf zu, so dass die Pläne konkreter vorangetrieben werden konnten.

 

Es dauert noch einige Jahre bis die umfangreichen Bauarbeiten für das Brauhaus mit Scheune und Nebengebäuden 1857 soweit vorangekommen sind, dass sie mit dem Bau des Bierkellers und des Eishauses zum Abschluss kommen.

 

Die Produktion beginnt 1857 / 58

In der Brauerei werden helle und dunkle Lagerbiere nach Pilsener Brauart hergestellt, die in Gebinden (Holzfässern), Flaschen und 5-Liter-Siphons abgegeben werden. Neben dem Bier wird auch weiße, gelbe und rote Brause auf Flaschen gefüllt. Alle Erzeugnisse der Brauerei werden über die 60 (!) Gastwirtschaften der Stadt vertrieben. Zum Markennamen wählen die Konsorten einen zur Lage der Brauerei passenden Begriff. Durch die unmittelbare Nähe zur früheren erzbischöflichen Burg mit schlossartigem Charakter, liegt es nahe hierauf Bezug zu nehmen. Auch wenn die Bremervörder diesen Ort immer als „Burgberg“ bezeichnen, entscheiden sich die Brauereibesitzer für den Namen „Schlossberg-Brauerei“. Das große Schild über dem Eingang wird bei Dunkelheit von einer riesigen Petroleumlampe erleuchtet.

 

Relativ kurze Zeit nach dem Beginn des Brauereibetriebes scheidet der Kaufmann Reinhold aus dem Konsortium aus. Er verkauft seine Anteile an die Mitinhaber Jüssow und Meyer und zieht nach Selsingen, den Heimatort seiner Frau Bertha Sophia. Dort betreiben sie auf der Stelle Nr. 25 eine „Kaufmannschaft“.

 

Wieder ist es nur eine kurze Zeitspanne bis die nächste Veränderung im Konsortium eintritt. Ende des Jahres 1861 verstirbt der Kaufmann Jüssow. Zunächst übernimmt die Witwe mit den drei Kindern die Geschäftsanteile für einige Jahre.

1869 entschließt sich die „Carl Jüssowsche Vormundschaft“ ihre Geschäftsanteile zu verkaufen und mit dem Auktionator Schlichting finden sie einen potenten Käufer in Johann Hinrich Schlichting. Das Unternehmen firmiert weiterhin als „Schlossberg-Brauerei“, das Konsortium unter dem Namen der beiden Besitzer „Meyer & Schlichting“.

 

Nachdem 1881 auch die Erbengemeinschaft Meyer ihre Anteile an Johann Hinrich Schlichting verkauft, ist dieser alleiniger Inhaber der Brauerei. Er gibt dem Unternehmen offensichtlich eine neue finanzielle Basis, indem er Anteile als Aktien ausgibt. Die Firmierung lautet seitdem „Aktien-Bierbrauerei Bremervörde, vormals Schlossberg-Brauerei“. Allein diese Maßnahme kann das Unternehmen nicht retten und so muss Schlichting im Jahre 1885 Konkurs anmelden.

 

Die Brauerei hat wohl trotzdem eine gute Perspektive, denn das Unternehmen wird aus der Konkursmasse verkauft an Peter Paul Breitenbach. Breitenbach führte verschiedene technische Neuerungen in der Brauerei ein. So zum Beispiel beantragt er im April 1888 beim „wohllöblichen Magistrat“ die amtliche Genehmigung zum Aufstellen einer Dampfmaschine mit Dampfkessel und Einbau eines Schornsteins. Er möchte den Mahlgang zukünftig nicht mehr von Pferden über einen Göpel antreiben. Die Obrigkeit erteilt ihm eine Zusage für die dann auch folgende Umsetzung der technischen Modernisierung.

Fast ein Jahrzehnt später, 1897 ist Breitenbach aufgrund wirtschaftlicher Probleme allerdings gezwungen, die Brauerei an Maximilian Oskar Wilhelm Reuning zu verkaufen.

 

Wilhelm Reuning nimmt als stadtbekannte Persönlichkeit am öffentlichen Leben durchaus schon vorher aktiv teil. Auf einem Foto der „wichtigsten Personen“ der Stadt aus dem Jahre 1905 ist er unter den 19 Herren ebenso vertreten wie u.a. Landrat, Bürgermeister und Kommerzienrat. Besonders fällt Reuning in der Stadt dadurch auf, dass er oftmals einen Ritt durch die Neue Straße unternimmt. Dabei trägt er die Uniform eines preußischen Reserveoffiziers mit Pickelhaube auf dem Kopf.

 

Die Geschäfte der Brauerei laufen gut, Reuning erlebt eine wahre Blütezeit. Das Bier wird in eigenen Flaschen verkauft. Die erhabene Prägung in Form eines Rundbogen- Fensters zeigt woher das Bier stammt, nämlich aus der „Schlossberg-Brauerei Bremervörde“; mittig darin befinden sich die Initialen des Besitzers „W.R.“ .

Doch sein Privatleben verläuft in eher tragischen Bahnen. Zwei seiner Kinder (Georg und Marianne) versterben jeweils im Alter von neun Jahren und sein ältester Sohn (Wilhelm) fällt im Ersten Weltkrieg. Wirtschaftliche Probleme der Nachkriegszeit und die Schwierigkeiten der Inflation führen zum Ende der Zwanziger Jahre zu einem unspektakulären Ende des Brauereiwesens in der Stadt.

 

In seinen „Erinnerungen eines Bremervörder Bürgers“ schreibt Georg Dauber, der Reuning in seiner Jugendzeit erlebt hat: „Was Herr Reuning an militärischem Schneid zuviel hatte, fehlte ihm an Geschäftsgeist.“ Im Bremervörder Adressbuch von 1926-30 wird „Reuning, Wilhelm, Bierverleger, Petroleumvertrieb, Großer Platz 12, Tel. 192“ noch erwähnt. Mit dem Verkauf von Petroleum hält Reuning sich bis zu seinem Tod über Wasser.

 

Die technischen Anlagen der Brauerei werden, sofern möglich verkauft, das Betriebsgebäude wird abgebrochen. Mitte der 1930er Jahre kauft die Stadt das Gelände von der Kreissparkasse und errichtet dort 1937 das Feuerwehrgerätehaus.

 

Einzige Erinnerungen an die Brauerei sind die handkolorierte Zeichnung (siehe Startseite) und eine erhaltene Bierflasche der „Schlossberg-Brauerei Bremervörde“.

(Dieser vorstehende Artikel basiert auf mehreren Veröffentlichungen des Heimatchronisten Rainer Brandt, die in den Jahren von 2004 bis 2013 in der Heimatbeilage bzw. dem Sonntagsjournal der Bremervörder Zeitung erschienen sind.) Zusammengestellt im März 2016 von Jürgen Borgardt

Im Jahre 2016 sind es wieder drei Bürger der Ostestadt, welche die Bremervörder Schlossberg Bräu-Idee erneut aufnehmen.

 

Gunnar Thomas, Edo Neumann und Thomas Tiedemann, allesamt zu Zeitpunkt Vorstandsmitglieder der Schützengesellschaft zu Bremervörde, lassen das Schlossberg Bräu Bremervörde wieder aufleben.

 

> Das Bier und die Schützengesellschaft


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Schlossberg Bräu Bremervörde GbR

Thomas * Neumann * Tiedemann * Bekken 

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27432 Bremervörde

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